Probefahrt mit dem Hyundai Kona

HYUNDAI KONA – TESTBERICHT VON PAUL BELCL

Vergangenes Wochenende hatte ich die Gelegenheit, das brandneue Top Modell des Hyundai Kona Elektro für INSTADRIVE zu testen. Der Kona ist das erste vollelektrische SUV unter € 50.000,- mit einer Reichweite von 482 km nach dem neuen realitätsnahen WLTP-Zyklus! Damit ist endlich Schluss mit der Reichweitenangst, denn bevor der Akku des Kona leer wird, sollte der Fahrer jedenfalls schon eine Pause brauchen.
Das von mir getestete Top Modell hat 150 kW (204 PS) und den starken Akku mit 64 kWh. Damit erreicht das Auto in 7,9 Sekunden Tempo 100 km/h und das mit 395 Nm Drehmoment.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck ist gut, der elektrische Kona ist leicht am geschlossenen Kühlergrill zu erkennen.
Dahinter verbirgt die dezent beleuchtete Ladebuchse für CCS und Typ 2. Damit kann man den Kona an einer passenden Ladesäule mit bis zu 100 kW in ca. 27 Min von 0% auf 80% Ladestand bringen. Laden am Wechselstrom geht mit bis zu 7 kW leider nur einphasig in etwas mehr als 9 Stunden, wenn das Fahrzeug komplett leer ist. Die schmalen LED-Scheinwerfer geben dem Auto ein interessantes Gesicht. Ob man die schwarze Kunststoffumrandungen der Radläufe mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, mir gefällt das ganz gut.
Keyless Entry funktioniert sehr zuverlässig, man kann das Auto entsperren, wenn man sehr nahe am Fahrzeug steht und zusätzlich den schwarzen Knopf an der Türschnalle betätigt. Genau so einfach kann man auch wieder zusperren, ohne den Schlüssel in die Hand nehmen zu müssen.

Der Innenraum erinnert mich etwas an den Hyundai IONIQ, den ich im April getestet habe. Die beiden Paddels für die Einstellung der Rekuperation und die Tasten für die Klimaanlage habe ich schon mal gesehen. Es gibt in der Top Ausstattung elektrisch verstellbare Ledersitze für Fahrer und Beifahrer, die nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden können. Kleine Lüftungslöcher im Sitz werden mit kalter Luft aus der Klimaanlage versorgt, das fühlt sich sehr angenehm an. Die Mittelkonsole ist etwas breiter geraten und es spürt sich insgesamt so an als würde einen das Cockpit umschließen, ich mag das!

Der Hyundai Kona von INSTADRIVE im Test

Frontansicht des Hyundai Kona

Bedienung und Instrumente

Die Bedienelemente sind alle nahezu selbsterklärend und logisch angeordnet. Detaillierte Einstellungen zum Fahrzeug kann man am zentralen Bildschirm im Armaturenbrett rechts über ein Menü konfigurieren. Die Anzeige ist manchmal etwas zu schmal um den vollen Text sichtbar zu machen. Die meisten Einstellungen muss man allerdings eh nur einmal konfigurieren. Der Bildschirm in der Mittelkonsole zeigt Informationen zu Verbrauch, Radio, Musik und Navigation an. Hier kann man ebenfalls einige Einstellungen zu den Fahrmodi und dem Laden machen.

Was mir beim Hyundai besonders angenehm auffällt ist, dass sich alles sehr logisch und ohne Erklärungsbedarf einstellen lässt. Das automatische Licht, der Scheibenwischer, die Fahrmodi, Assistenten, Rekuperation, Alles funktioniert so wie man es sich vorstellt! Und wenn nicht, dann kann man es anpassen.

Die Hi-Fi Anlage von Krell Audio Systems macht einen hervorragenden Sound mit sehr guten Bässen. Man kann ein verbundenes Telefon, Android Auto, oder einen in der Mittelkonsole angesteckten USB Stick verwenden. DAB Radio und ein Equalizer runden das System ab. Auch hier kommen keine Wünsche mehr auf. Die Lautstärke und Wichtigkeit aller Audioausgaben von Rückfahrkamera, Navigation, Telefon und Hi-Fi Anlage lassen sich aufeinander abstimmen. In der Mittelkonsole ist ein verschließbares Fach mit der aus dem IONIQ bekannten IQ-Ladestation. Für Lüftung und Klima gibt es Tasten unter dem zentralen Bildschirm.

Probefahrt mit dem Hyundai Kona

Hyundai Kona – Technische Ausstattung

Armaturen des Hyundai Kona

Fahren

Beim Losfahren führt oberhalb des Armaturenbretts ein HeadUpDisplay heraus. Darauf kann man sich auswählbare Informationen und die Geschwindigkeit in unterschiedlichen Farben anzeigen. Ist zwar nett, aber ich hätte es nicht vermisst, wenn es nicht vorhanden wäre.
Auf den ersten Metern außerhalb der Stadt merke ich sofort, dass ich in einem 200 PS Auto sitze. Die volle Kraft von 395 Nm bringt der Kona beim zügigen Losfahren im Sportmodus erst nach einigen Metern auf die Straße. Hier kann es passieren, dass trotz ESP die Reifen kurz durchdrehen. Ich wünsche mir diese Leistung auf vier Räder verteilt, das wäre perfekt!
Wählt man den Modus ECO, dann geht es viel gemütlicher los. Je nach Laune kann man die Pferde entweder zügeln oder laufen lassen 😉 Der Motor erzeugt bis 30 km/h ein künstliches Summgeräusch welches ab ca. 50 km/h wieder verstummt. Verlangt man dem Motor etwas Leistung ab, dann hört man ihn auch deutlich pfeifen. Stört zwar nicht, aber das können andere Autos etwas leiser.

Die Fahrdynamik im Hyundai ist bemerkenswert. Durch den tiefen Schwerpunkt der 64 kWh Batterie merkt man das Gewicht von etwas über 1800 kg nicht wirklich stark. Selbst in schnellen Kurven fährt der Kona überraschend stabil, fast sportlich. Bemerkenswert für ein SUV. Die leichtgängige Lenkung ist hervorragend für die Stadt geeignet und auch der Wendekreis kann sich sehen lassen.
Die an der Lenksäule angebrachten Paddles für die Rekuperation sind hervorragend geeignet zum Bremsen ohne das Bremspedal zu berühren. Auf Stufe 3 funktioniert das mindestens genauso gut, wie das ePedal im Nissan Leaf 2018. Außerhalb der Stadt sollte man eher Stufe 2 oder gar Stufe 1 einstellen, sonst könnte es beim Loslassen des Gaspedals zu unerwarteten Begegnungen mit dem hinteren Fahrzeug kommen. Bremsbeläge wird man damit beim Kona sicher nicht so schnell wechseln müssen.

In der Top-Ausstattung liefert Hyundai zahlreiche Assistenten mit. Der adaptive Tempomat ist mein absoluter Liebling. Den kann man durchaus alleine fahren lassen. Mit dem Spurassistenten habe ich weniger Freude. Er verhält sich etwas launisch, wenn ihm die Bodenmarkierung oder der Straßenverlauf nicht gefällt. Ich bin mir dann nie sicher, wer von uns beiden gerade das Auto fährt 😉

INSTADRIVE - Hyundai Kona

Rückansicht des Hyundai Kona

Praxistest

Da ich in 2 Wochen einen Langstreckentest auf der deutschen Autobahn geplant habe, bin ich dieses Wochenende eher auf der Schnellstraße und in der Stadt unterwegs.
Ich wähle die meiste Zeit die Einstellung “SPORT” und eine entsprechend zügige Fahrweise immer an der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Meine erste Route von Wien nach Gars am Kamp ein Stück über die Autobahn muss am Rückweg erweitert werden, da der Akku nach ca. 180 km immer halb voll ist. Ein Ausflug ins nördliche Weinviertel in den Ort wo ich meine Kindheit verbracht habe, ändert daran auch nicht viel. Nach etwas mehr als 300 gefahrenen Kilometern komme ich wieder daheim an und habe noch 25% Restreichweite. Der Bordcomputer meint, damit noch ca. 85 km weit fahren zu können. Und das obwohl ich mich wirklich bemüht habe, den Akku an diesem Tag leerzufahren 😉

Hyundai Kona beim Aufladen

Hyundai Kona – Ladevorgang

Ich bin etwas überrascht, denn bei den meisten Autos, die ich bis jetzt testen durfte, ist es mir gelungen, die angegebene Reichweite zumindest zu halbieren. Das gelingt mir beim Kona nicht. Ist auch klar, denn der WTLP Zyklus ist wesentlich realistischer berechnet als NEFZ bisher. Und ich war auch viel Bundesstraße mit 100 km/h unterwegs, das ist die Idealgeschwindigkeit für ein Elektroauto.

Ich bin schon gespannt auf meinen Trip nach München in 2 Wochen, denn auf der deutschen Autobahn kann der Hyundai Kona dann zeigen ob er auch auf der Autobahn langstreckentauglich ist. Die passenden Ladekarten für Deutschland habe ich schon bestellt. Und mit meiner Frau hab ich schon eine Wette laufen, wie oft ich laden werde, bleibt also spannend 😉

 

Fazit

Mit dem Kona bekommt man endlich ein erschwingliches Elektroauto das mehr als praxistauglich ist!
Er ist sehr spritzig und trotzdem sparsam im Verbrauch. Mir gefällt die sehr intuitive und gut durchdachte Bedienung. Ein besonderes Merkmal ist auch, dass man den Kona sowohl sportlich zügig, als auch sehr sparsam bewegen kann. Je nachdem, wie man gerade Lust hat. Mit dem starken Akku ist bei sparsamer Fahrweise eine realistische Reichweite von 450 km problemlos möglich. Selbst wenn man, wie ich, etwas mehr Strom gibt, kann der Hyundai Kona auf der Bundesstraße schon locker 350 km weit fahren.
Damit wird es endlich auch für Langstreckenfahrer möglich, ohne Reichweitenangst unterwegs zu sein! Und das zu einem fairen Preis.
Meiner Meinung nach ist der Kona der Startschuss zu einer neuen Fahrzeuggattung die im Bezug aufs Preis-Leistungsverhältnis genau zu den meisten Anforderungen passt. Ab heute müssen sich die Benzinbrüder warm anziehen, denn jetzt gibt es bald keine Ausrede mehr für VOLL elektrisch!

 

Mehr Testberichte von Paul Belcl finden Sie hier.

 

Zurück zur Übersicht