E-Auto-Test - Jaguar I-Pace

48 STUNDEN MIT DEM JAGUAR I-PACE

Technikblogger Paul Belcl hat den Jaguar I-Pace zwei Tage lang getestet. Hier teilt er seine Erfahrungen mit uns.

Die britische Raubkatze steht schon seit einiger Zeit auf der Liste meiner Lieblings-Elektroautos. Dank INSTADRIVE durfte ich sie endlich einmal testen. Wenn auch nur für 48 Stunden, aber es reicht für einen kurzen Überblick.
Der Jaguar I-Pace wird Großteils in Österreich gefertigt. Der Anspruch dieses Autos ist eine sehr sportliche Limousine mit bequemer Langstreckentauglichkeit und guten Fähigkeiten im Gelände, die sogenannte “eierlegende Wollmilchsau” also.

Der I-Pace ist etwa 4,68 m lang und hat einen Radstand von 3 m. Dadurch ergibt sich vorne und hinten ein sehr kurzer Überhang. Damit und der möglichen WAT Tiefe von 50 cm kann es schon mal ins Gelände gehen. Die meisten der Fahrzeuge werden allerdings niemals ein Gelände sehen.

Der Fahrgastraum ist durch den langen Radstand wesentlich größer, als man von außen annehmen möchte. Das getönte Glasdach sorgt für einen guten Ausblick nach oben, und außerdem können Personen, die wie ich über 190 cm groß sind, sowohl vorne als auch hinten bequem sitzen. Der Kofferraum ist ca. 460 Liter groß und durch seine quadratische Form gut zu beladen. Die elektrische Heckklappe funktioniert gut, allerdings nur, wenn man ihr nicht händisch helfen will. Ein zusätzlicher, kleiner Kofferraum vorne mit ca. 11 Litern ist perfekt dafür geeignet, die wichtigsten Ladekabel immer griffbereit zu haben. So gefällt mir das.

Jaguar I-Pace

Jaguar I-Pace: Fahrgastraum

Die Motorhaube hat eine Luftöffnung, durch die der Fahrtwind aus dem nach innen gebogenem Kühler wieder abfließen kann. Die Türgriffe sind versenkt und fahren nach Betätigen der Zentralverriegelung elektrisch aus. Das alles sorgt für einen CW-Wert von 0,29.

Ausstattung

Mein Testfahrzeug hat die Topausstattung HSE. Hier ist nahezu alles verbaut, was bei Jaguar auf der Aufpreisliste steht. Luftfahrwerk, viele Assistenzsysteme, Ledersitze mit aktiver Heizung oder Kühlung, Glasdach, elektrische Sitze, getrennte Memorytasten für Fahrer und Beifahrer, 22 Zoll Breitreifen mit Alufelgen, Adaptive Matrix LED Scheinwerfer, vier Kameras, Wärmepumpe und vieles mehr. Hier fehlt nichts!

Jaguar I-Pace - Tacho

Tacho des Jaguar I-Pace

Beim Einsteigen fällt mir sofort die gute Übersicht auf. Direkt vor dem Fahrer befindet sich ein interaktives 12,3″ TFT-Instrumentendisplay. Dieses lässt sich sehr flexibel einstellen. Entweder ein zentraler Tacho, oder auch zwei Rundelemente nebeneinander lassen sich mit unterschiedlichsten Inhalten, beispielsweise Navigationsanweisungen, befüllen.
In der fließenden Mittelkonsole befindet sich ein 10-Zoll-Touchscreen der in das Armaturenbrett integriert ist. Darunter gibt es einem 5-Zoll-Touchscreen mit multifunktionalen Drehknöpfen, die ebenfalls kleine Displays sind. Sieht alles sehr hochwertig aus und ist intuitiv zu bedienen. Da kein Getriebetunnel erforderlich ist, gibt es unterhalb der Mittelarmlehne ein Ablagefach mit einem Fassungsvermögen von 10,5 Litern. Es gibt auch eine App für das Smartphone, die ich allerdings in der kurzen Zeit nicht getestet habe.

I-Pace - Display und Klimaanlage

Display des Jaguar I-Pace

Fahren

Zwei Motoren mit jeweils 200 PS zwischen den beiden Achsen sorgen für Allradantrieb vom Feinsten. Damit kommt der I-Pace auf eine Systemleistung von 400 PS mit knapp 700 Nm Drehmoment. Die Motoren haben eine Effizienz von bis zu 97 Prozent. Damit sprintet die Raubkatze lt. Werk in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. In meinem Test schafft sie das sogar in ca. 4,5 Sekunden! Das macht Laune!

Die Luftfederung sorgt für einen etwas indirekten Kontakt zur Straße, sportlich ist anders. Ich denke, wenn man sich mit dem konfigurierbaren Dynamic Modus etwas länger auseinandersetzt, geht da noch was… Jedenfalls reagiert der I-Pace sehr berechenbar und präzise auch bei heftigen Fahrmanövern. Hier arbeitet ein tiefer Schwerpunkt und ein langer Radstand gegen 2,2 Tonnen Gewicht, das spürt man auch. In Summe ergibt sich aber ein sehr berechenbares und sicheres Fahrverhalten.

Die unzähligen Assistenzsysteme arbeiten zufriedenstellend. Es gibt einen adaptiven Tempomat, Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung und vieles mehr. Ich liebe zwar den automatischen Abstandhalter, kann aber im teilautonomen Fahren keinen Vorteil erkennen, wenn man alle 60 Sekunden das Lenkrad berühren muss. Das HeadUp Display zeigt auch bei praller Sonne seine Informationen direkt in der Windschutzscheibe an, gefällt mir sehr gut. Die Einstellmöglichkeiten über das Tacho-Display sind so vielfältig, dass ich in der kurzen Testzeit nicht alles ausprobieren kann. Auf Wunsch kann man sich im Auto einen Sound aktivieren, der die abgefragte Motorleistung in ein futuristisches Geräusch umsetzt. Klingt durchaus interessant, wenn man gerne akustisches Feedback zum Fahrvergnügen möchte. Die Rekuperation kann man individuell einstellen und dadurch nahezu ohne Bremsbetätigung fahren.

Laden

Der Jaguar I-Pace hat eine Batterie aus Lithium-Ionen-Pouch-Zellen mit einer Kapazität von 90 kWh. Diese kann angeblich mit Gleichstrom bis zu 100 kW geladen werden. Mit Wechselstrom gehen leider nur maximal 7 kW auf einer Phase. Einen schnelleren Wechselstromlader gibt es derzeit leider noch nicht.

Jaguar I-Pace - Laden

Ladeanzeige des Jaguar I-Pace

Praxis

Am ersten Tag fahre ich zum Abendessen nach Altlengbach. Dort findet sich direkt im Ort eine Ladesäule der Elsbere Wienerwald, die sich mit meinem Plugsurfing-Chip freischalten lässt. – Ich nutze die Gelegenheit. Ich komme mit 36% SOC zu Hause an und hänge den I-Pace mit 5,5 kW an meine Ladestation. Da der eingebaute Wechselstromlader nur einphasig laden kann, ist das Auto am nächsten Tag nur zu 3/4 voll. Sollte aber trotzdem reichen.

Heute bin ich zu 40% im Stadtverkehr unterwegs und den Rest auf Bundesstraße und Autobahn. Meine heutige Tagestour sind ca. 220 km. Kein Problem für den I-Pace, denn er kann bis zu 470 km mit einem vollen Akku (WTLP) fahren. Allerdings nicht mit mir auf der Autobahn! Auf den kurzen Strecken, wo ich über 100 km/h fahren darf, geht der Verbrauch selten unter 25 kWh. Dafür geht aber auch was weiter…

Die Sitze im Jaguar sind nicht nur sehr bequem, sondern auch total individuell verstellbar. Die Sitzkühlung kann man entweder über den ganzen Sitz verteilen, oder nur auf der Sitzfläche einstellen. Vorbildlich und sehr praktisch. Mit dieser Ausstattung kann man sicher auch sehr lange Strecken ohne Ermüdung bewältigen.

Fazit

Der Jaguar I-Pace ist ein hervorragendes Stück sehr innovativer Technik. Er ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr gut durchdacht. Dass das Auto auf dem weißen Blatt Papier komplett als Elektroauto designt wurde, merkt an vielen Stellen. Besonders aber am hervorragenden Platzangebot und dem langen Radstand. Es gibt genug Ablageflächen und die Bedienung ist trotz der umfangreichen Funktionen sehr innovativ. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist meiner Meinung nach etwas überzogen. Da man nicht nur ein Elektroauto, sondern einen echten Jaguar bekommt, muss man eben auch etwas mehr bezahlen.

Schade finde ich, dass Jaguar dem I-Pace keine bessere Ladeelektronik für Wechselstrom spendiert hat. Das können andere Premiumhersteller besser. Ich hätte mir zumindest einen 3-phasigen 16-kW-Wechselstromlader gewünscht, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben…

Für alle Interessierten: Der Jaguar I-Pace ist bei INSTADRIVE im eASING-Angebot ab € 658,- monatlich zu haben – und das bei sofortiger Verfügbarkeit!

 

Weiter Artikel von Paul Belcl finden Sie auf seiner Website belcl.at.

 

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