Aktueller Faktencheck E-Mobilität: Folge 5

Der Klima- und Energiefonds Österreich hat die neuesten Erkenntnisse zum Thema E-Mobilität präsentiert. Wir fassen die Ergebnisse in einer Artikelserie zusammen und liefern auch Zusatzinfos für Deutschland.

Folge 5: Woher soll der zusätzliche Strom für die E-Mobilität kommen?

Elektroautos können durch ihren höheren Wirkungsgrad bei gleicher Energiemenge weiter fahren als Verbrennerfahrzeuge. Sie benötigen durchschnittlich für 100 km zwischen 14 kWh und 23 kWh. Ein Benzinmotor benötigt durchschnittlich 70 kWh, ein Dieselmotor 63,64 kWh. Elektroautos benötigen demnach für die gleiche Strecke zwischen 67 % und 77 % weniger Energie. Zu dieser Bilanz trägt auch die Rekuperation bei, bei welcher Bremsenergie benutzt wird, um den Akku zu laden. Auf der anderen Seite stehen die hohen Energieverluste des Verbrennungsmotors, bei dem circa 70 % der produzierten Energie nicht in Bewegungsenergie transformiert wird und somit verloren geht.

Die Europäische Kommission plant ab dem Jahr 2035 nur Pkw zuzulassen, die keine lokalen Emissionen produzieren. Österreich strebt dieses Ziel schon für 2030 an. Das würde bedeuten, dass bis zum Jahr 2030 bis zu 1,6 Millionen Elektroautos zugelassen werden, so hat es das Umweltbundesamt berechnet. Damit wäre jedes dritte Auto vollelektrisch unterwegs. Der für diese Fahrzeuge benötigte Strom beliefe sich auf rund 4,6 TWh. Aktuell benötigt Österreich pro Jahr 70 TWh, mit den zusätzlichen 4,6 TWh käme man auf einen erhöhten Strombedarf von 6,6 %. Sollte man es schaffen, bis 2040 alle Pkw in Österreich auf Elektroantrieb umzustellen, würde der zusätzliche Strombedarf 21 % betragen. Zu bedenken ist hierbei, dass durch die Umstellung der Energiebedarf des Landverkehrs um fast 60 % vermindert werden könnte. Dies allein durch die höhere Effizienz des Elektromotors.

Was nicht vergessen werden darf: Der Strom muss aus erneuerbaren Quellen stammen, damit klimaschonende Mobilität möglich wird. Die erneuerbare Energie wird aber auch von anderen Sektoren nachgefragt werden, und daher müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um dem Pkw-Verkehr zu reduzieren, den öffentlichen Verkehr auszubauen und ebenso das Radfahren und das Zu-Fuß-Gehen zu fördern. Erneuerbare Energie lieferte im Jahr 2020 insgesamt 56 TWh Strom. Das 2021 beschlossene Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) legt fest, dass in Österreich bis zum Jahr 2030 noch weitere 27 TWh Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden sollen. Der Verkehrssektor allein soll Prognosen zufolge im Jahr 2040 37 TWh benötigen. Es wird enorme Anstrengungen erfordern, um die dafür benötigen Produktionsanlagen zu errichten, damit der zusätzliche Ökostrom bis 2040 bereitgestellt werden kann.

Zur Situation in Deutschland sehen wir uns zwei Studien an:

I. Die Unternehmensberatung McKinsey geht in ihrer Studie von 2018 von 619 TWh Gesamtstromverbrauch im Jahr 2030 aus (Gesamtstromverbrauch DE 2019: 568 TWh).
McKinsey hat dabei 2 Szenarien durchgespielt:
Prognose 1: 8 Mio. E-Autos 2030 + 23 TWh pro Jahr (würde den Gesamtstromverbrauch um 4 % pro Jahr erhöhen)
Prognose 2: 16 Mio. E-Autos 2030 + 43 TWh pro Jahr (würde den Gesamtstromverbrauch um 8 % erhöhen)

II. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt in seinem Bericht aus dem Jahr 2021 folgende Zahlen:
Prognose Gesamtstromverbrauch 2030: 645 – 665 TWh
Parameter: 14 Mio. E-Autos und Plug-In-Hybride

Der 2030 für Elektromobilität nötige Strom wäre schon heute zur Gänze aus erneuerbaren Quellen verfügbar. 2020 waren schon 225 TWh Strom nachhaltig erzeugt worden. Viel mehr als die von McKinsey für 2030 berechneten, zusätzlich benötigten 40 TWh.

Zur Einordnung in DE:
Durchschnittlich verbraucht ein Elektroauto 18,9 kWh auf 100 km. Rechnet man nun 10 % Ladeverluste (nach ADAC-Analyse) hinzu und geht von circa 600.000 E-Autos aus, bedeutet das, dass alle Elektroautos zusammen einen Stromverbrauch von 1,8 TWh aufweisen. Nach einer aktuellen Umfrage laden 77 % der E-Auto-Besitzer ihre Fahrzeuge zu Hause, daher ergibt sich eine Strommenge von 1,3 TWh für die Ladung der Elektrofahrzeuge zu Hause.

Zur generellen Einordnung:
Der Durchschnittsstromverbrauch eines 4-Personen-Haushalts in Deutschland liegt bei 4.200 kWh pro Jahr. Ein Elektroauto benötigt etwa 2.400 kWh. Wird überwiegend (zu 85%) zuhause geladen, erhöht sich also der Stromverbrauch eines 4-Personen-Haushalts um knapp die Hälfte.

Intelligente Ladestationen und intelligente Stromnetze werden in der stromgetriebenen Auto-Zukunft wichtiger werden. Durch diese lässt sich die Stromlast verteilen und so können Ausfälle des Netzes oder Störungen vermieden werden. Um 80 % kann die Spitzenlaststeigerung auf diese Art reduziert werden, meinen Experten. Optimierte Stromversorgung, vorausschauend und effizient eingesetzt, wird dazu führen, dass Elektroautos erst dann geladen werden, wenn das Netz die nötigen Kapazitäten problemlos bereitstellen kann.

Der Download detaillierter Informationen zu Österreich findet sich auf der Seite des Klima- und Energiefonds:
https://www.klimafonds.gv.at/press/e-autos-auf-dem-pruefstand-oekobilanz-faellt-klar-positiv-aus/

Jetzt gleich losfahren

Aus unserem Fuhrpark auswählen, sein Lieblingsauto konfigurieren und schon in ein paar wenigen Wochen mit seinem eigenen E-Auto losfahren!