Ladeflatrates im großen Vergleich

Während die kWh- und Zeittarife teurer werden erobern neue Flatrateprodukte den Markt, doch sind diese wirklich eine günstige Alternative? Hier erfährst du es!

Anfang Juli 2021 hat die EnBW bekanntlich die Ladepreise erhöht, teilweise um einen nicht unwesentlichen Betrag.  

Einige der bisher ebenso sehr spannenden kWh-Tarife haben ebenfalls nachgezogen und die Preise erhöht. Und sogar Tesla ist hier nicht ganz unbeteiligt und hat die Preise fürs Supercharging angehoben. Gerade bei Tesla war das Laden bisher immer sehr attraktiv, zumal die V3 Supercharger bis zu 250kW abgeben können und damit eine ähnliche Performance bieten wie beispielsweise IONITY. Wie hat Tesla sich nun im Detail entwickelt? 

Noch vor einem Jahr lag der Preis pro kWh in Deutschland bei nur 0,33€/kWh, mittlerweile hat sich dieser in Deutschland auf 0,40€/kWh erhöht. In Österreich sind die Preise etwas geringer, hier zahlt man momentan 0,35€/kWh, und in der Schweiz sind es im August 2021 variable Preise, welche von 0,42CHF/kWh beispielsweise am SuC Rubigen bis hin zu 0,48CHF/kWh beispielsweise am SuC Flüelen reichen. In den Niederlanden ist das Laden deines Teslas derzeit noch besonders günstig, die Preise liegen hier bei nur 0,23€/kWh beispielsweise am SuC Badhoevedorp oder 0,26€/kWh am SuC Apeldoorn, die Preise sind also auch variabel, jedoch noch deutlich unter den Kosten in der DACH-Region. Für Urlaubsfahrten nach Italien nicht unspannend: Hier sind die Preise ebenfalls variabel und liegen beispielsweise am SuC Adda Sud bei Mailand bei 0,38€/kWh oder auch bei 0,43€/kWh am SuC Verona. 

Es zeigt sich somit, dass auch Tesla die Preise derzeit anhebt, wobei dennoch fairerweise gesagt werden muss, dass Tesla eine sehr gute und zuverlässige Ladeinfrastruktur bietet, welche offensichtlich gut gewartet wird und daher auch ihren Preis haben darf. 

Doch was machen nun diejenigen, die keinen Tesla fahren und somit keinen Zugang zu den Superchargern haben? 

Möchte man wirklich 40 Cent für eine kWh AC-Laden und teilweise über 50 Cent für eine kWh DC-Laden bezahlen? Wohl eher weniger. Minutentarife sind derzeit zum Teil tatsächlich günstiger als kWh-Tarife, jedoch nur, wenn die maximale Ladeleistung der Station, an der sich der Minutentarif orientiert, auch wirklich erreicht wird. Das bedeutet, dass man mit den meisten Modellen beim DC-Laden bei spätestens 80% Ladestand abbrechen sollte. Beim AC-Laden muss man mit einphasig ladenden Elektroautos aufpassen, um nicht abgezockt zu werden. Was jetzt aktuell mehr und mehr in den Fokus gerät sind Pauschaltarife, sogenannte Flatrates. Hier bezahlt man einen fixen Betrag und kann dann laden, so viel man möchte. Bei manchen Tarifen kann die monatliche Fahrleistung angegeben werden und, ob auch Schnelllader mit der Flatrate nutzbar sein sollen. Damit lassen sich individuelle Pakete zusammenstellen, sodass für jeden Mobilitätsbedarf ein gutes Produkt geboten werden kann. Doch welche Flatrates gibt es eigentlich, was sind die Vor- und Nachteile und am wichtigsten, sind diese wirklich günstiger als EnBW und Co.? 

Wir haben uns für euch die Flatrate-Produkte von easygreenenergy, elvah, die EWR Autostrom-Flat und die Pauschaltarife von evpass näher angesehen. 

EWR Autostrom-Flat

Mit dem Tarif von EWR Autostrom-Flat lassen sich in Deutschland insgesamt 4.900 Ladepunkte freischalten. Der Anbieter kooperiert jedoch nur mit dem Ladeinfrastrukturbetreiber Innogy, sodass dieser Tarif nicht unbedingt für jeden spannend ist, sondern man sich zuerst informieren sollte, ob man das Produkt mit seinen verfügbaren Ladepunkten überhaupt für sein Ladeverhalten gut nutzen kann. Wenn dies der Fall ist, dann kann man zu einer Grundgebühr von 25€ pro Monat, also 300€ pro Jahr, sein Elektroauto aufladen. Allerdings sichert sich der Anbieter mit einem Maximalladevolumen ein wenig ab – konkret können zu diesen 300€ pro Jahr bis zu 1000kWh Strom geladen werden. Wer dieses freie Ladevolumen voll auskostet, der lädt um nur 0,30€/kWh sein Elektroauto, ein sehr fairer Preis und in jedem Fall auch günstiger als beispielsweise der kWh-Tarif der EnBW. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass man mit dem EnBW-Tarif ein deutlich umfangreicheres Ladenetz geboten bekommt. Mit der EWR Autostrom-Flat können natürlich auch mehr als 1000kWh pro Jahr geladen werden, ab der 1001.kWh wechselt der Tarif dann einfach von einer Flatrate auf einen kWh-basierten Tarif, die Ladekosten liegen dennoch weiterhin bei nur 0,30€/kWh. Wir halten also fest, der Tarif ist sicher gut für all jene, die schon bisher viel am deutschen Anbieter Innogy geladen haben und dort ein jährliches Ladevolumen von um die 1000kWh haben. Wer nicht oder nur sehr selten bei Innogy lädt, für den ist diese Flatrate wohl eher weniger interessant. Wobei Flatrate bei diesem Modell im Prinzip nur so halb stimmt, da ab einer Überschreitung von 1000kWh automatisch zu einem kWh-Tarif gewechselt wird, welcher aber dennoch preislich noch attraktiv ist. 

easygreenenergy

Als zweites Produkt möchten wir uns die Flatrate von easygreenenergy zeigen. Der Anbieter kommt aus der Steiermark in Österreich, bietet aber auch international ein interessantes Produkt. So kann vor Vertragsabschluss eine Vielzahl an Einstellungen vorgenommen werden, um für einen individuell das beste und sinnvollste Produkt zu erhalten. Zunächst wird der geschätzte monatliche Verbrauch gewählt, wobei der Anbieter neben der Anzahl an kWh auch die damit in etwa erreichbare km-Leistung angibt, was für manche wahrscheinlich besser vorstellbar ist als der genaue Stromverbrauch. Basierend darauf gibt es 4 verschiedene Pakete, welche entweder bis zu 100kWh, bis zu 240kWh, bis zu 420kWh oder bis zu 625kWh Ladevolumen pro Monat bieten. Im nächsten Schritt wählt man das Gebiet, welches nutzbar sein soll. Hier kann entweder nur die Steiermark, das Heimatbundesland von easygreenenergy, ganz Österreich, oder ganz Europa gewählt werden. Hier sieht der Nutzer auch sofort, wie viele Ladestationen im jeweiligen Gebiet freischaltbar sind. In ganz Europa sind es beispielsweise derzeit etwa 15000 Stationen. Mittels weiterer Einstellungsmöglichkeiten können noch Schnellladestationen inkludiert oder entfernt werden, ausgewählt werden ob man bereits Energiekunde bei dem Anbieter ist (das kennt man von Maingau zum Beispiel, hier werden die Kosten dann günstiger) oder auch der sogenannte Online-Bonus hinzugewählt oder entfernt werden. Den Online-Bonus finden wir ganz interessant, man kann diesen bekommen, wenn man damit einverstanden ist, sämtliche Rechnungen, Informationen zu Preisänderungen etc. nur elektronisch zu erhalten und nicht zusätzlich am Postweg. Dafür bekommt man jährlich eine extra Gutschrift, finden wir top. Auf Basis dieser Auswahlmöglichkeiten wird dann ein individueller Preis berechnet, sodass jeder den besten Preis für sein persönliches Ladeverhalten erhält. Wir haben uns zwei Beispiele für euch mal angesehen, um euch eine Vorstellung zur Preisgestaltung zu geben:

Im ersten Beispiel gehen wir von einem durchschnittlichen Nutzer mit etwa 15000km Jahresfahrleistung aus und wählen daher den Tarif mit 240kWh Ladevolumen pro Monat. Da kaum außerhalb des Heimatlandes gefahren wird haben wir nur Stationen in Österreich gewählt und da der Nutzer in einer Großstadt mit vielen AC-Ladepunkten unterwegs ist haben wir auch das Schnellladen weggelassen. Damit liegt der monatliche Preis bei 67,30€ für bis zu 240kWh, bei voller Ausschöpfung des Ladevolumens liegt damit der Preis pro kWh hier bei nur 0,28€.

Im zweiten Beispiel gehen wir von einem Vielfahrer aus, welcher das größte Paket mit bis zu 625kWh Ladevolumen nimmt, auch das Schnellladen hinzubucht und Ladestationen in ganz Europa benötigt. Hier liegt der monatliche Preis bei 327,80€, bei voller Ausschöpfung der 625kWh Ladekontingent liegt also der Preis pro kWh bei 0,52€. Auch wenn hier 15000 Ladestationen in ganz Europa dabei sind und auch Schnellladen inkludiert ist finden wir diesen Preis doch relativ hoch.

Für wen macht der Tarif somit Sinn? Da es doch recht viele Individualisierungsmöglichkeiten gibt ist das hier tatsächlich nicht so einfach zu beurteilen. Das Schnellladen erhöht den Preis doch sehr deutlich, wodurch der Tarif eher für diejenigen von Interesse sein dürfte, die primär AC laden. Unsere Empfehlung: Einfach mal die letzte Monatsrechnung vom bisherigen Tarif ansehen, hier insbesondere die Gesamtkosten, das Ladevolumen und am Besten auch den Anteil an AC- und DC-Ladungen, denn für einige kann easygreenenergy tatsächlich eine deutliche finanzielle Erleichterung gegenüber den klassischen kWh- und Zeittarifen bieten.  

elvah

Als nächstes möchten wir uns das Flatrate-Produkt des deutschen Start-Ups elvah näher mit euch anschauen. Alleine schon wegen den zahlreichen Partnerschaften mit vielen Ladeinfrastrukturbetreibern erweckt elvah bei uns Aufmerksamkeit. So können bereits 150000 Ladepunkte in über 30 Ländern mit elvah genutzt werden. Unter den Partnern sind unter Anderem EnBW, IONITY, EON und viele weitere. Wie auch easygreenenergy hat auch elvah mehrere Pakete mit unterschiedlichen Kostenstrukturen. Allerdings können diese nicht nach Belieben gewählt werden, da sich bei elvah die Tarife an dem eigenen Fahrzeugmodell orientieren. Das mag am Anfang etwas verwirrend wirken, macht aber bei genauerer Betrachtung unserer Meinung nach durchaus Sinn, da der Energieverbrauch beim normalen Fahren bei einem Tesla Model X ein ganz anderer ist als beispielsweise bei einem Renault Zoe. Um sicherzustellen, dass man sich tatsächlich mit dem eigenen Fahrzeug registriert werden bei der Registrierung die Fahrgestellnummer sowie das Kennzeichen überprüft, es ist somit nicht möglich, hier mit einem Tesla Model X nur den Tarif eines Renault Zoes zu wählen. Folgende Preisgestaltungen gibt es:

Der preiswerteste Tarif ist der XS-Tarif um 89€ pro Monat, welcher beispielsweise mit Fahrzeugen wie dem VW e-Up oder dem Renault Twingo Z.E. nutzbar ist.

Der S-Tarif kostet 129€ pro Monat und ist bei Fahrzeugen wie dem Renault Zoe oder dem Kia e-Soul das richtige Produkt.

Der M-Tarif kostet 159€ pro Monat, Fahrzeuge sind zum Beispiel das Tesla Model 3 oder der VW ID.3.

Der größte Tarif, der L-Tarif, kostet 199€ pro Monat mit Modellen wie dem Tesla Model X oder dem Mercedes-Benz EQC. 

Wie auch beim easygreenenergy-Tarif sichert sich auch elvah gewissermaßen mit einem Maximal-Ladevolumen im Sinne von Fair Use ab. Dieses liegt aufsteigend nach den 4 Tarifmodellen bei 500kWh, 750kWh, 850kWh oder bis zu 1000kWh. Wenn du das Ladevolumen voll auskostest dann liegen die Kosten pro kWh beim XS-Tarif bei nur etwa 0,18€, beim großen L-Tarif zahlst du bei voller Nutzung der 1000kWh nur 0,20€/kWh, solche Konditionen können sich also echt sehen lassen. Mit dem M-Tarif, der zum Beispiel mit dem VW ID.3 nutzbar ist, kannst du mit den 850kWh etwa 5000km pro Monat fahren, also bis zu 60000km pro Jahr, wodurch eine sehr breite Kundenschicht angesprochen sein dürfte. elvah bietet bereits Zugang zu 150000 Stationen, wobei noch nicht alle dieser Stationen in der App abgedeckt werden können. Hier gibt es dann das Modell der “Geld-Zurück-Stationen”, an denen du mit dem jeweiligen Tarif des Betreibers lädst und von elvah die Ladekosten binnen 48 Stunden rückerstattet bekommst. Da elvah sich nicht “konfigurieren” lässt, sondern immer automatisch an das jeweilige Auto ausgerichtet ist, ist dieser Tarif tatsächlich primär für Vielfahrer oder Elektromobilisten, die aufs öffentliche Laden angewiesen sind, von Interesse.  

evpass

Zum Abschluss werfen wir einen Blick auf den Schweizer evpass. Dieser hat verschiedene Tarifmodelle, wobei auch Pauschaltarife enthalten sind. Unabhängig des Fahrzeugmodells und der monatlichen individuellen Lademenge zahlt der Kunde immer 120CHF im Monat. Dafür kann der Nutzer sein Elektroauto ganztägig an rund 2300 evpass-Stationen in der Schweiz sein Auto aufladen, egal ob AC oder DC. Wer sein Ladeverhalten ziemlich gut kennt und abschätzen kann, für den könnten durchaus auch der gesonderte Tages- oder Nacht-Tarif interessant sein. Der Tagestarif kostet nur 90CHF und der Nachttarif sogar nur 50CHF im Monat. Tagsüber kann dann mit dem Tagestarif zwischen 8:00 und 19:00 Uhr geladen werden, nachts mit dem Nachttarif entsprechend zwischen 19:00 und 8:00 Uhr. Jeweils außerhalb dieser Zeiten kann natürlich auch geladen werden, dann aber mit einem klassischen kWh-Tarif um 0,45CHF/kWh. Auch hier gilt, wer relativ viel öffentlich an evpass-Stationen lädt für den kann diese Flatrate sehr sinnvoll sein.  

Grundsätzlich sei zu allen Flatrate-Tarifen gesagt, dass diese immer mehr Sinn machen, je mehr man fährt bzw. je mehr man öffentlich lädt.  

Doch wie behaupten sich in Deutschland die verschiedenen Flatrates gegen die klassischen Tarife von EnBW, Maingau und Co.? 

3.: Auf Platz 3 landet im August 2021 der EnBW-Tarif. Die EnBW betreibt in Deutschland eigene Ladestationen, bietet jedoch mit deren App oder Ladekarte auch einen Zugang zu sehr vielen anderen wichtigen Betreibern in Deutschland. Hervorzuheben ist die sehr benutzerfreundliche App, in der die Abrechnungen sofort nach dem Ladevorgang eingesehen werden können. Außerdem kann der Nutzer direkt von der App benachrichtigt werden, wenn eine Ladung abgeschlossen wurde oder es zu einem Ladeabbruch kommt. Seit Anfang November 2020 gibt es bei der EnBW Blockiergebühren ab einer Ladezeit von mehr als 4 Stunden. Eine solche Kombination aus einem kWh-Tarif und einer Blockiergebühr finden wir für die Zukunft grundsätzlich sehr sinnvoll. Als sehr positiv empfinden wir ebenfalls, dass mit dem Tarif derzeit rund 200.000 Ladepunkte in ganz Europa aktivierbar sind.  

2.: Auf dem zweiten Platz landet im August 2021 der EWE Go-Tarif. Mit einer guten Preisgestaltung und Zugang zu einer Vielzahl an Ladestationen ist der EWE Go-Tarif im Alltag sehr gut und vielfältig einsetzbar. Den größten Vorteil bietet der Tarif jedoch für Nachtlader durch den Wegfall der Blockiergebühr. Da in der Nacht das Blockieren von Ladestationen bei Weitem kein so großes Problem wie tagsüber darstellt finden wir, dass eine solche Gebühr wenn dann auch nur tagsüber verrechnet werden sollte. Der Nutzer profitiert davon, dass er nicht mitten in der Nacht das Auto abstecken muss um der Blockiergebühr zu entgehen. Aus diesem Grund sehen wir den EWE Go-Tarif auch im August 2021 in der Top 3, diesmal auf Platz 2 eingereiht. 

1.: Auf Platz 1 schafft es im August 2021 ganz klar die Flatrate von elvah. Wer das zur Verfügung stehende Ladekontingent ausschöpft kann je nach Tarifmodell um nur 0,18-0,20€/kWh sein Elektroauto laden, wobei egal ist, ob es sich um Schnelllader handelt oder um Wechselstromladepunkte. Mit solch niedrigen Preisen kann derzeit kein anderer Tarif mithalten und dabei auch noch ein solch umfangreiches Angebot an verfügbaren Ladepunkten liefern. Was generell jedoch immer gilt ist, dass Flatrates primär dann Sinn machen, wenn man wirklich viel fährt und auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist. Wir würden euch vor einem Wechsel vom bisherigen kWh- oder Minutentarif empfehlen, euch die letzten Monatsabrechnungen anzusehen. Hier könnt ihr auf einen Blick sehen, wie viel ihr tatsächlich geladen habt und welche Kosten dabei entstanden sind. Dann kann rasch eine Entscheidung gefällt werden, ob die elvah-Flatrate auch für euch Sinn macht. 

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