So nachhaltig sind Biokraftstoffe

WIE NACHHALTIG SIND BIOKRAFTSTOFFE WIRKLICH?

Welche Vorteile haben Biokraftstoffe?

Biokraftstoffe werden aus Pflanzen wie Mais, Raps oder Zuckerrohr gewonnen und führen zu 50 bis 70 Prozent niedrigerem Ausstoß von klimaschädlichen Gasen. Auch angesichts anderer Probleme, die der Einsatz von Erdöl mit sich bringt – wie zum Beispiel die wirtschaftliche Abhängigkeit von erdölfördernden Ländern oder die großen Risiken für Mensch und Umwelt bei der Förderung von Erdöl, wie die große Erdöl-Katastrophe im Golf von Mexiko 2010 gezeigt hat – sind Biokraftstoffe eine vielversprechende Alternative. Denn die für die Herstellung notwendigen Ressourcen können aus heimatlichem Anbau bezogen werden, und auch die Herstellung selbst ist gefahrlos. Ein Vorteil gegenüber der Elektromobilität wäre, dass keine groben Neuerungen für eine innovative Technologie notwendig sind und die bestehende Infrastruktur verwendet werden kann.

Welche Nachteile haben Biokraftstoffe?

Verdrängung von Anbauflächen für Nahrungsmittel

Da Biokraftstoffe in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln stehen, ist ihr Einsatz ökonomisch und moralisch äußerst fragwürdig. Denn für die Gewinnung von Biokraftstoffen werden Nahrungsmittel wie Mais, Raps oder Zuckerrohr verwendet. In Industrieländern ist dies zwar leistbar. Doch in Entwicklungsländern führt die Verwendung der Anbauflächen für Biokraftstoff dazu, dass der Bevölkerung nicht genügend Anbauflächen für Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf bleiben.

Häufig wird argumentiert, dass dadurch, dass der bei der Herstellung von Kraftstoff aus Mais anfallende Presskuchen an Tiere verfüttert werden kann, dass die Produktion von Biokraftstoff dadurch nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, und durch die steigenden Preise der Nahrungsmittelproduktion die wirtschaftliche Entwicklung von jenen Ländern gefördert wird, die als Produzenten der Biomasse für Biokraftstoffe agieren und dies daher gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer eine große Chance darstellt.

Dass dieses Argument paradox ist, ist offensichtlich. Denn auch wenn steigende Preise eine intensivere Nutzung der Agrarflächen ermöglichen und dadurch die Produktion von Biokraftstoffen ökonomisch rentabel wird, kann eine solche Entwicklung angesichts der ebenfalls aus dem Anbau resultierenden Nahrungsmittelknappheit in denselben Ländern wohl kaum befürwortet werden.

Biodiversitätsverlust

Eine Möglichkeit, Biokraftstoffe ohne negative Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion herzustellen, wäre die Gewinnung aus Pflanzenresten und schnell wachsenden Gräsern oder Hölzern, vor allem, wenn der Anbau auf Flächen erfolgt, die ohnehin nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden können. Um diese Form der Biokraftstoff-Produktion rentabel zu machen, ist allerdings noch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsaufwand notwendig. Außerdem führt auch der Anbau solcher Pflanzen zu einer Verdrängung ökologisch wertvoller Flächen durch Monokulturen. Wo in Indonesien und Malaysia Anbaugebiete durch Monokulturen für Ölpalmen oder hierzulande Weideland zugunsten des Maisanbaus verdrängt wird, ist ein Verlust der Biodiversität die Folge. Auch in diesem Aspekt ermöglichen Biokraftstoffe in Summe also keinen Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit.

CO2-Emission durch Brandrodung

Darüber hinaus ist für neue Anbauflächen in vielen Fällen Brandrodung notwendig, bei der nicht nur große Mengen CO2 emittiert, sondern auch Wälder zerstört werden, die CO2 aufnehmen könnten. Im Vergleich zu fossilen Energien ist die CO2-Bilanz insgesamt zwar trotzdem noch besser. Vergleicht man sie mit jener der Elektromobilität, sind Biokraftstoffe jedoch ganz klar im Nachteil.

Schlechte Energieeffizienz

Dazu kommt, dass die Gewinnung von Kraftstoff aus Biomasse energieaufwändiger ist als die Umwandlung in Gas, woraus in weiterer Folge entweder Strom erzeugt oder „grünes Erdgas“ ins Gasnetz eingespeist werden kann. Die Stromerzeugung aus Biogas ist dabei sogar im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien im Vorteil, weil sie planbar und damit grundlastfähig ist.

Anlage für Biokraftstoffe

Kraftwerk zur Gewinnung von Biokraftstoff auf Raps

Fazit

Solange für die Herstellung von Biokraftstoff ökologisch wertvolle Böden unnutzbar gemacht und die Nahrungsmittelproduktion in Entwicklungs- und Schwellenländern verdrängt wird, ist diese Alternative weder aus ökologischer noch aus moralischer Perspektive vertretbar. Zwar haben Biokraftstoffe eindeutige Vorteile gegenüber fossilen Kraftstoffen, doch als Fazit aus dem Vergleich mit Elektromobilität ist den Biokraftstoffen wegen der deutlichen Unterschiede in CO2-Ausstoß und Energieeffizienz die Elektromobilität vorzuziehen. Auch wenn hier der Ausbau einer neuen Infrastruktur nötig ist, steht dieser Vorteil der Biokraftstoffe gegenüber Elektromobilität nicht in Relation zu ihren Nachteilen.

 

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