SECOND LIFE – Wie die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus verlängert wird

Lange war die Entsorgung der Elektroauto-Batterien ein großes Thema. Denn wenn Lithium-Ionen-Akkus in Massen beseitigt werden müssten, würde dies eine hohe Belastung für die Umwelt darstellen. In den letzten Jahren hat sich die Batterietechnologie – von der öffentlichen Diskussion beinahe vollständig unbemerkt – jedoch stark weiterentwickelt, und es wurden Möglichkeiten gefunden, die Lebenszeit der Batterien deutlich zu verlängern. All diese Entwicklungen haben inzwischen dazu geführt, dass die Herstellergarantien auf die Batterien inzwischen bei meist 8 Jahren liegen. Aber selbst wenn die Kapazität einer Batterie nach durchschnittlich 10-15 Jahren so weit fällt, dass sie für den Gebrauch in Elektroautos nicht mehr ausreicht, kann sie noch für andere Anwendungen eingesetzt werden.

Eine dieser Anwendungen ist der Zweite Batterie-Lebenszyklus (Battery Second Life) bei dem die Batteriezellen als Stromspeicher für erneuerbare Energie (in Haushalten oder bei Netzbetreibern) eingesetzt werden was eine zusätzliche Verlängerung der Verwendungsdauer um weitere 10 bis 15 Jahre ermöglicht. Gleichzeitig verbessern diese Stromspeicher die Energie-Netzstabilität weil damit eines der größten Problem mit den erneuerbaren Energieträgen – das wetterbedingte Auf und Ab der Wind- und Solarstrom-Einspeisung gelöst werden kann. Dazu werden die gebrauchten Batteriemodule getestet, neu verdrahtet und zu stationären Stromspeichern gebündelt. Erst nach Ende dieses zweiten Lebenszykluses werden die Batterieteile recycelt und Lithium, Kobalt, Kupfer und Nickel – Bestandzeile, die besonders wertvoll sind – wiederverwertet. Somit scheiden nach 20-30 Jahren lediglich 1 Prozent der ursprünglichen Batterie-Rohstoffe als Restmüll aus dem Recycling-Prozess aus.

Es gibt hierbei bereits mehrere Unternehmen dies sich auf dieses Second Life spezialisieren:
In Japan haben Nissan und Sumitomo ein Joint Venture namens 4R Energy gegründet, welches sich mit der Wiederverwendung, dem Wiederverkauf und dem Recycling von Lithium-Ionen-Batterien beschäftigt. Im Februar 2014 hat dieses Unternehmen das weltweit größte Speichersystem aus Batterien gebrauchter Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. Hierbei werden gleichzeitige nach zusätzlichen Anwendungsgebieten für gebrauchte Batterien gesucht und auch die Funktionalität der Batteriespeicherung stetig verbessert, um erneuerbare Energien zu speichern.

In Hamburg haben BMW, Bosch und das Energieunternehmen Vattenfall einen ersten Second Life Batteriespeicher in Betrieb genommen. Zu diesem Zweck werden Batterien von BMW-i-Modellen verwendet. Die Energiespeicher mit einer Leistung 2 Megawatt sollen als Zwischenspeicher für Solaranlagen und Schnelladestationen dienen – eine Aufgabe, für die sich Lithiumionen-Batterien optimal eignen. In Berlin konnte dadurch beispielsweise das Forschungsprojekt Effizienzhaus Plus mit Akkus der Testflotte Mini E mit einem stationären Zwischenspeicher für Solarstrom aus gebrauchten Batterien ausgestattet werden. BMW hat sich zum Ziel gesetzt mit Projekten dieser Art frühzeitig aufzuzeigen, dass die Wiederverwendung von Akkus aus Elektrofahrzeugen in großem Rahmen möglich ist (Vattenfall, BMW und Bosch testen Stromspeicher in Hamburg.

Automobilhersteller haben zudem damit begonnen Heimspeicherhersteller mit ihren Altbatterien (Renault>Powervault) zu versorgen und es kann erwartet werden dass die Automobilhersteller auch direkt als Produzenten von Heimspeichern auftreten werden um ihre Altbatterien selbst in den Second Life überzuführen.