WALLBOX IM MEHRPARTEIENHAUS: NOVELLIERUNG DER GEBÄUDERICHTLINIE

In Österreich ist es schwierig, eine Heimladestation in Mehrparteienhäusern zu installatieren. Die Novelllierung der Gebäuderichtlinie gibt jetzt Hoffnung.

Im EU-weiten Vergleich ist Österreich das Land mit dem größten Anteil von reinen Elektroautos bei Neuzulassungen. Doch beim genaueren Hinsehen wird klar, dass diese Zahl alleine nicht viel aussagt. Denn obwohl die meisten Autofahrer schon bereit dazu sind, in die Elektromobilität einzusteigen, stehen viele von ihnen vor einer scheinbar unüberwindbaren Hürde: Die Installation einer Heimladestation in Mehrparteienhäusern erfordert nach wie vor die Zustimmung aller WohnungseigentümerInnen des gesamten Wohnhauses.

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit dem Nachrüsten von Ladestationen in bestehenden großvolumigen Wohngebäuden beschäftigen soll. Im Detail werden der Status Quo sowie aktuelle Herausforderungen in energiewirtschaftlicher und bau- bzw. wohnrechtlicher Hinsicht beleuchtet und Präzisierungen formuliert, um die Rechtslage künftig zu verbessern.

Beispiel Vancouver

Während man in Österreich noch über die Frage diskutierte, ob die Ausstattung eines bestehenden Wohnhauses mit einer E-Lademöglichkeit über eine angemessene Ausstattung hinausgeht oder einem „zeitgemäßen Wohnbedürfnis“ entspricht, sehen wir in Kanada, was „zeitgemäß“ wirklich bedeutet.

2009 wurde in Vancouver bereits gefordert, bestimmte Anteile an Parkplätzen in Neubauten mit E-Ladeinfrastruktur auszustatten. Bei Einfamilienhäusern sollte sich somit in jeder Garage bzw. an jedem Carport eine Lademöglichkeit befinden. Bei Mehrparteienhäusern wurden 20 Prozent festgesetzt, bei gewerblichen Bauten 10 Prozent.

Vergangenes Jahr zeigte eine Studie (Greenest City Scholar Project), dass die geforderten Installationen bei Mehrparteienhäusern, d.h. 8.000 Stück, mit über 11.000 sogar weit übertroffen worden war. Manche Wohnbauten waren sogar zu 100 Prozent mit Parkplätzen mit E-Ladepunkten ausgestattet worden.

Am 14. März 2018 nahm die Stadt Vancouver nun eine Empfehlung an, die sogar noch weiter geht. Um die Ziele der Vancouver’s Renewable City Strategy zu erreichen, müssen in Zukunft alle neu errichteten Mehrparteienhäuser statt nur zu 20 Prozent zu 100 Prozent mit E-Lademöglichkeit ausgestattet werden.

Vancouver setzt auf Elektromoblität
© Christie Smith

In Österreich existieren zumindest in einigen Bundesländern Regelungen über Vorkehrungen für den nachträglichen Einbau von Ladestationen von Elektroautos. Von dem Vorbild, das Kanada uns liefert, sind wir allerdings noch weit entfernt.

Novellierung der EU-Gebäuderichtlinie

Hoffnung auf eine Besserung der Situation gibt die Novellierung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EU) 2018/844, die am 19. Juni 2018 veröffentlicht wurde. Sie bestätigt die wichtige Rolle der Elektromobilität für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Zukunft Österreichs und leitet die Mitgliedsstaaten dazu an, Maßnahmen zur Vereinfachung der Bereitstellung von Ladepunkten zu ergreifen, verwaltungstechnische Schwierigkeiten bei der Installation einer Wallbox im Mehrparteienhaus zu beseitigen, und etwa auch bei größeren Renovierungen bereits eine entsprechende Leitungsinfrastruktur zu installieren.

Am 9. Juli 2018 trat die Richtlinie in Kraft und muss innerhalb von 20 Monaten in nationales Recht umgesetzt werden. Unsere Hoffnungen auf eine Verbesserung der Voraussetzungen für Elektroauto-Besitzer sind daher groß!

Quellen

http://enev-online.de/epbd/2018/epbd_update_2018.06.19._deutscher_text.pdf

https://pluginbc.ca/city-vancouver-goes-100-ev-new-builds/

http://council.vancouver.ca/20180314/documents/cfsc3.pdf

https://infothek.bmvit.gv.at/studie-ladestationen-fuer-wohnhaeuser/

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